Vortrag „Klimawandel -verstehen und handeln“
Bericht über die Veranstaltung am 11.04.2026

Foto Schütt-Frank
Prof. Dr. Harald Lesch ist ein bekannter Astrophysiker, Naturphilosoph und Wissenschaftsjournalist, der sich intensiv mit dem Klimawandel auseinandersetzt. Auf vielen Fernsehkanälen ist er präsent und nun war er wieder live zu erleben. Der gebürtige Nieder-Ohmener fühlte sich sozusagen zu Hause. Seine ehemalige Schulkollegin Andrea Donnerstag und Vorstandsmitglied konnte „Harald“ im Namen des Landfrauenvereins Alsfeld auf das Herzlichste in der voll besetzten Kirche in Bleidenrod willkommen heißen. „Wir sind heute in der ältesten Fachwerkkirche Oberhessens zusammengekommen, um den Ausführungen von Prof. Dr. Harald Lesch zum Thema: Klimawandel – verstehen und handeln, zu folgen.
Mit einem freundlichen Lächeln begrüßte der Naturwissenschaftler die Gäste und er freute sich, dass man ihm so viel Gehör schenkte. Während seines Vortrages, gab es immer mal witzige Einlagen und führte auch Zwiegespräche mit Gott. An der Seite der Kirche stand ein Kruzifix, welches öfter mal von Professor Lesch angesprochen wurde. Klimawandel und Schöpfung sind eng miteinander verknüpft.
Kernpunkte von Leschs Klimavortrag:
Wissenschaftliche Fakten: Lesch betont, dass der menschengemachte Klimawandel längst ausgeforscht ist und Fakten nicht verhandelbar sind.
Dringlichkeit: Er hebt hervor, dass die Klimakrise die größte Herausforderung unserer Zeit ist und schnelles Handeln erforderlich ist.
Klimagerechtigkeit: Lesch thematisiert die Verantwortung der reichen Länder und die ungleiche Verteilung der Klimafolgen, die besonders die ärmsten Länder trifft.
Lösungen: In seinem Vortrag diskutiert er konkrete Maßnahmen wie den Ausbau erneuerbarer Energien, Wärmewende, natürliche CO2-Speicher (Moore, Wälder) und technische Innovationen zur CO2-Bindung.
Energiewende: Er betont die Notwendigkeit der Energiewende, die auf naturwissenschaftlichen Grundlagen basiert.
Gesundheit: Lesch thematisiert auch den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit.
Astrophysiker und Buchautor Harald Lesch zufolge kann jeder etwas gegen den Klimawandel tun. Fahrradfahren statt SUV, weniger Fleisch essen, Ökostrom beziehen, so nur einige der Ideen.
Die Fakten sind so bekannt wie erdrückend: Die Erderwärmung schreitet voran, Gletscher verschwinden, die Meeresspiegel steigen und die Extremwetterereignisse verschärfen sich. Dürre- und Hungerkatastrophen fördern Migrationsbewegungen. Doch auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse werde „überheblich und gleichgültig“ reagiert. Das macht den aus der Fernseh-Reihe „Leschs Kosmos“ bekannten Wissenschaftler wütend: „Meine Generation hat vollständig versagt.“
Können wir unser Klima noch retten
Wir können es nur hoffen, dass wir noch zu retten sind, aber wirklich sagen können wir es nicht. Das Weltklima ist ein hochkomplexes System, das bereits auf leichte Störungen reagiert. Vor allem wenn es instabil wird, reagiert es relativ schnell. Es gibt momentan erste Ideen dazu, dass die Erde sich von einer Eis- zu einer Heiß-Zeit entwickelt. Wenn wir jetzt nichts tun, werden wir in absolut katastrophale Abläufe geraten. Das ist sozusagen unsere allerletzte Chance.
Lesch betonte, dass man sofort aus der fossilen Energie aussteigen soll. Die erneuerbaren Energien müssen ausgebaut werden. Wir brauchen eine Mobilitätsoffensive in Richtung öffentlicher Nahverkehr. Die Elektromobilität ist auch keine Lösung, weil dort Ressourcen aus anderen Erdteilen verwendet werden. Wir sollten mehr über Genossenschaften nachdenken: Ich bin kein Freund davon, Energiekonzerne zu privatisieren. Wasser, Land und Luft sollten bei den Stadt- und Gemeindewerken bleiben.
Erneuerbare Energien und Bürgerbeteiligung
Die Städte und Gemeinde sollten reagieren und Genossenschaften gründen und die Bürger beteiligen. Nur so kann die Energiewende noch gelingen. Die meisten Menschen streiten den Klimawandel gar nicht ab, aber getan wird trotzdem zu wenig.
Lesch trat entschieden gegen weitverbreitete Stammtischsprüche sowie gegen jegliche Polarisierung an.
Er erkennt das Potenzial von Windkraft und Agri-Photovoltaik, insbesondere in Verbindung mit Bürgerbeteiligung. Auch in Sachen Speichern gebe es immer Fortschritte und man müsse auch der Technik vertrauen.
Wärmepumpen sind zukunftsfähig, da sie sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen eingesetzt werden können.
Possibilisten zeigen, dass zukunftsfähig ist, wer Optionen erkennt und nutzt.
(Possibilisten sind Menschen oder Gruppen, die davon ausgehen, dass die Welt voller Möglichkeiten steckt und dass es stets verschiedene Handlungsoptionen gibt. Im Gegensatz zu Pessimisten, die sich auf Probleme und Hindernisse konzentrieren, oder Optimisten, die das Beste erwarten, nehmen Possibilisten eine pragmatische Haltung ein: Sie erkennen sowohl Herausforderungen als auch Chancen und suchen gezielt nach realistischen Lösungen. Der Begriff wurde unter anderem durch den schwedischen Wissenschaftler Hans Rosling populär gemacht, der betonte, wie wichtig es sei, faktenbasiert und lösungsorientiert auf gesellschaftliche Entwicklungen zu blicken.)
Der Vortrag dauerte länger als veranschlagt, aber „Wenn ich erst einmal warmgelaufen bin – geht’s weiter“. Das Publikum dankte ihm für seine Ausführungen. Manchmal verfiel er auch auf seine Heimatsprache – auf das Dialekt – und die Gäste waren begeistert.
Als gefragt wurde, wann die Regierung ein Gesetz für ein Tempolimit verabschieden will, reagierte Lesch pragmatisch und schlug vor: „Fahren Sie doch einfach langsamer.“
Andrea Donnerstag bedankte sich herzlich für den hervorragenden Vortrag. „Deine Einblicke und dein Fachwissen haben uns sehr beeindruckt und wertvolle Impulse geliefert“. Von seinem Wissen partizipierten die Landfrauen des Landfrauenbezirksvereins Alsfeld.
Der Vortrag war quasi ehrenamtlich gehalten worden und die Landfrauen erbaten dann eine Spende für die Projekte, welche Harald Lesch und seine Frau Cecilia Scorza-Lesch zum Thema Klimawandel – ebenfalls ehrenamtlich – in Schulen anbieten. Das Arbeitsmaterial wird aus Spenden finanziert.
Der Landfrauenbezirksverband Alsfeld dankte ganz herzlich und Harald Lesch wurde noch eine Tasche, mit regionalen Produkten überreicht.
Ferner dankte Andrea Donnerstag allen, die sich dafür eingesetzt haben, dass dieser Abend stattfinden konnte. Im Außenbereich der Kirche gab es einen Stand der Landfrauen Bleidenrod und ein Dankeschön ging auch an Familie Lein, denn sie hatten das E-Auto von Harald Lesch geladen, so dass er dann seine Heimreise antreten konnte.
Der Bezirkslandfrauenverein Alsfeld hat die eingegangenen Spenden auf 500 Euro aufgerundet und überwiesen an: LMU München, Stichwort: Klimakoffer, Projekt von Harald Lesch und Cecilia Scorza-LeschVeranstaltungsbeschreibung…
